Susanne Blumesberger (Hrg.): Helene Scheu-Riesz (1880-1970). Eine Frau zwischen den Welten.

Susanne Blumesberger (Hrg.):
Helene Scheu-Riesz (1880-1970). Eine Frau zwischen den Welten.
Wien: Praesens Verlag 2005 (= biografiA, Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung; Bd. 1)

Helene Scheu-Riesz (18.9.1880 Olmütz bis 8.1.1970 Wien) war eine vielseitige und erfolgreiche Visionärin. Die Schriftstellerin, Verlegerin, Herausgeberin und Journalistin war durch ihre verwandtschaftlichen Beziehungen (ihr Mann Dr. Gustav Scheu war sozialdemokratischer Gemeinderat der Ersten Republik, ihr Schwiegervater Josef Scheu war Gründer der Arbeitersängerbewegung und ihr Sohn Dr. Friedrich Scheu leitete 1954 bis 1972 das außenpolitische Ressort der “Arbeiter-Zeitung”) auch politisch relevant. Ein besonders wichtiges Anliegen war ihr jedoch stets das Veröffentlichen von preiswerten Kinder- und Jugendbüchern, eine hoch qualitative und dabei für alle erschwingliche Universalbibliothek für Kinder war ihr Ziel. Ab 1910 gab sie die “Konegens Kinderbücher” heraus. 1923 gründete sie den Sesam Verlag, um unter anderem die besten Werke der Weltliteratur für Jugendliche preiswert veröffentlichen zu können. Von 1937 bis 1950 lebte sie, auch um antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, in New York, leitete dort weiter den Sesam Verlag und gründete die Island Press. Sie spielte zusätzlich auch eine aktive Rolle in der österreichischen Frauenbewegung und war sozial sehr engagiert. So hatte sie nach dem Ersten Weltkrieg die damals revolutionäre Idee, Leseräume für Kinder zu schaffen, und organisierte zusammen mit den Quäkern Hilfsleistungen für die Nachkriegsjugend in Österreich. 1954 kehrte sie zurück nach Wien, setzte sich aktiv mit Schulfragen auseinander, schuf Nacherzählungen von Märchen und übersetzte Kinderbücher aus dem Englischen. Sie lebte bis zu ihrem Tod in dem von Adolf Loos für ihre Familie gebauten “Scheu-Haus” in Hietzing, das als erstes modernes Terrassenhaus in Mitteleuropa gilt. Im Gästebuch des Scheu-Hauses finden sich unter anderem Namen wie Alban Berg, Anton von Webern, Oskar Kokoschka und Yvette Guilbert. In diesem Sammelband, der auf einer Tagung des Instituts für Wissenschaft und Kunst beruht, beschäftigen sich Expertinnen und Experten mit dem Leben und Wirken von Helene Scheu-Riesz. Ihr 1934 entstandener Roman “Gretchen discovers America” ist ebenso Thema wie ihre Rolle als Journalistin, Verlegerin und Kinderbuchautorin. Auch persönliche Erinnerungen an diese schillernde Frau werden von ihren Enkelinnen preis gegeben. Das Schreiben von Frauen im Exil ist ebenso ein Thema wie die proletarische Jugend und die Bildungsreformen in der 1. Republik. Der Sammelband gibt somit einen interessanten Einblick in das in vielerlei Hinsicht erfüllte Leben von Helene Scheu-Riesz.


Susanne Blumesberger, Bettina Kümmerling-Meibauer, Jana Mikota, Ernst Seibert (Hrg.): "Hieroglyphe der Epoche?"

Susanne Blumesberger, Bettina Kümmerling-Meibauer, Jana Mikota, Ernst Seibert (Hrg.):
"Hieroglyphe der Epoche?"
Zum Werk der österreichisch-jüdischen Autorin Anna Maria Jokl (1911-2001)
(= biografiA, Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung; Bd. 12). Wien: Praesens 2014.

Aus Anlass des 100. Geburtstages der in Wien geborenen österreichisch-jüdischen Schriftstellerin Anna Maria Jokl (1911 Wien-2001 Jerusalem) organisierte das Institut für Wissenschaft und Kunst mit der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung und mit ausländischen Kooperationspartnern die erste internationale Tagung zu ihrem Werk. Ziel der Tagung war es, Impulse für die bisher kaum in Gang gekommene wissenschaftliche Beschäftigung mit Jokl zu setzen. Die in unterschiedlichen europäischen Ländern und zuletzt in Israel lebende Autorin, Übersetzerin, Journalistin und Psychoanalytikerin hat ein breit gefächertes literarisches Werk hinterlassen, aus dem der 1937 in Prag verfasste antifaschistische Schülerroman "Die Perlmutterfarbe" herausragt. Daneben verfasste Jokl zahlreiche journalistische Artikel, Filmessays und Buchbesprechungen. Die ReferentInnen der Tagung analysierten diese Texte als wichtige Dokumente zur Zeit- und Kulturgeschichte, in welchen historische Umbruchsituationen von der Weimarer Republik bis in die Nachkriegszeit, Fragen der Erinnerungskultur und -politik nach der Schoah und auch Jokls Selbstverständnis als Frau und Jüdin reflektiert werden.


Susanne Blumesberger, Ernst Seibert (Hrsg.): Alex Wedding (1905-1966)

Susanne Blumesberger, Ernst Seibert (Hrsg.):
Alex Wedding (1905-1966) und die proletarische Kinder- und Jugendliteratur.
Wien: Praesens Verlag 2007 (= biografiA, Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung; Bd. 3).

Die 1905 in Salzburg als Margarete Bernheim geborene Autorin nannte sich (nach den zentralen Treffpunkten der Arbeiterbewegung in Berlin, dem “Alexanderplatz” und dem “Roten Wedding”) be-zeichnenderweise “Alex Wedding”. Mit 17 Jahren verließ sie ihr Elternhaus, begann in Innsbruck als Warenhausangestellte zu arbeiten und wohnte in einer Arbeiter-Mietskaserne bei einer politisch aktiven Eisenbahnerfamilie. Dort erhielt sie einen ersten Eindruck in das Leben und in die Arbeit der Proletarier. Ab 1925 lebte sie als Stenotypistin, Buchhändlerin, Bankangestellte und Journalistin in Berlin und war Mitglied der KPD, des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und des Bertolt Brecht-Clubs. 1928 heiratete sie den 1900 in Prag geborenen Franz Carl Weiskopf, der als Redak-teur, Journalist und Herausgeber tätig war und als Autor sozialistischer und antifaschistischer Litera-tur an die Öffentlichkeit trat. 1930 erschien Alex Weddings vielbeachtetes und später verbotenes erstes Kinderbuch “Ede und Unku”. 1935 besuchte sie die Sowjetunion, 1938 ging sie nach Berlin, ein Jahr später floh sie mit ihren Mann über Paris nach New York. 1949 kehrte sie mit ihm nach Prag zurück und begleitete ihn (er war inzwischen Gesandter der CSR) nach Washington, Stockholm und Peking. 1950 bis 1952 lebten beide in China, wo sie sich als Übersetzerin und Korrespondentin betä-tigte. 1953 verlegten das Paar seinen Wohnsitz in die DDR. Alex Wedding verfasste Kinder- und Jugendbücher, Erzählungen, Reportagen und zahlreiche Beiträge. 1966, elf Jahre nach dem Tod ihres Mannes, starb sie in Saalfeld. Mit ihren in zahlreichen Sprachen übersetzten und in mehreren Auflagen erschienen Büchern wie “Das Eismeer ruft. Die Abenteuer einer großen und einer kleinen Mannschaft” (1936), “Die Fahne des Pfeiferhänslein” (1948), “Söldner ohne Sold” (1948), “Das ei-serne Büffelchen” (1952) und “Die Drachenbraut. Chinesische Volksmärchen” (1961) gilt sie als eine der wichtigsten Wegbereiterin der sozialistischen Kinder- und Jugendliteratur. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, nach ihr wurde sowohl ein Preis als auch eine Medaille benannt.


Susanne Blumesberger, Ernst Seibert (Hrg.): „Eine Brücke über den Riss der Zeit …“

Susanne Blumesberger, Ernst Seibert (Hrg.): „Eine Brücke über den Riss der Zeit …“
Das Leben und Wirken der Journalistin und Schriftstellerin Hertha Pauli (1906-1973).
Wien: Praesens Verlag 2012 (= biografiA, Neue Ergebnisse der Frauenbiografieforschung; Bd. 10).

Die „Freundin bedeutender Männer“, wie die in Wien geborene Hertha Pauli (1906-1973) oft bezeichnet wurde, begann schon als Achtjährige Gedichte und Erzählungen zu schreiben. Sie nahm bei Hedwig Bleibtreu Schauspielunterricht und erhielt 1925 ihr erstes Engagement in Breslau. 1927 wurde sie von Max Reinhardt nach Berlin geholt, wo sie auch im „Simplicissimus“ und in der Prager „Bohemia“ veröffentlichte. 1933 kehrte sie nach Wien zurück und betrieb mit Karl Frucht die literarische Agentur „Österreichische Korrespondenz“. 1936 erschien ihr erster Roman „Toni“. Der zweite, den sie Bertha von Suttner widmete, wurde 1938 in Deutschland auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt. 1938 floh sie über die Schweiz nach Paris, wo sie ihre literarische Agentur weiter führte und antifaschistische Texte verfasste. 1940 ging sie nach Marseille, 1941 als Sekretärin von Walter Mehring nach Hollywood, 1942 lebte sie wieder in New York, von wo aus sie zahlreiche Europareisen unternahm, die sie mehrmals auch nach Wien führten. Ihr Bruder, der Physiker Wolfgang Pauli (1900-1958), erhielt 1945 den Nobelpreis. Anlässlich ihres 100sten Geburtstages, fand am Wiener Institut für Wissenschaft und Kunst eine Tagung statt, die sich mit ihren journalistischen Arbeiten und literarischen Werken, v.a. auch mit ihren Kinder- und Jugendbüchern befasste. Der daraus resultierende Sammelband behandelt ihr facettenreiches Leben.


Susanne Blumesberger / Jörg Thunecke (Hrg.): Deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur während der Zwischenkriegszeit und im Exil. Schwerpunkt Österreich

Susanne Blumesberger / Jörg Thunecke (Hrg.): Deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur während der Zwischenkriegszeit und im Exil. Schwerpunkt Österreich
Frankfurt am Main, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Warszawa, Wien, 2017. 344 S., 1 s/w Graf., 19 s/w Abb.

Der Sammelband enthält Texte von internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich mit deutschsprachiger, vor allem österreichischer Kinder- und Jugendliteratur im Zeitraum von 1918 bis 1945 befassen. Kinder- und Jugendliteratur erfüllt nicht nur unterschiedliche pädagogische Funktionen; es lassen sich auch divergente gesellschaftspolitische Strömungen ausmachen: Waren in den 1920er Jahren in Österreich starke aufklärerische Tendenzen zu beobachten, wurden diese im austrofaschistischen »Ständestaat« und unter dem Nationalsozialismus durch fremdenfeindliche, nationalistische Tendenzen zurückgedrängt oder auch verboten. Die Autorinnen und Autoren diskutieren in der Zwischenkriegszeit erschienene sowie im Exil entstandene Kinder- und Jugendliteratur. Dabei stehen vor allem die Produktionsbedingungen, die jeweiligen thematischen Schwerpunkte, die Illustrationen sowie die Verbreitung und Rezeption dieser Literatur im Vordergrund.

Das Buch ist über den Peter Lang Verlag erhältlich.


Susanne Blumesberger (Hrg.): Handbuch der österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen

Susanne Blumesberger (Hrg.):
Handbuch der österreichischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen.
Band 1: A - K
Band 2: L - Z
Wien, Köln, Weimar: Böhlau Verlag 2014.

Abrufbar unter folgendem link.

Bestellung unter: http://www.boehlau-verlag.com/newbuchliste.aspx

 

Das „Handbuch österreichischer Kinder- und Jugendbuchautorinnen“ gibt einen Überblick über Autorinnen, die mindestens ein Werk für junge LeserInnen veröffentlicht haben. Neben bekannten Namen wie Vera Ferra-Mikura, Friedl Hofbauer, Mira Lobe, Christine Nöstlinger oder Renate Welsh finden sich auch längst vergessene, unbekannt gebliebene und junge Autorinnen. Die biografischen Einträge enthalten Informationen über Herkunft, Ausbildung, diverse Lebensstationen, Auszeichnungen und vieles mehr, sie geben aber auch Einblick in das jeweilige Gesamtwerk. So wird einerseits das Leben der Frauen in allen Facetten wieder sichtbar gemacht, andererseits bietet das Handbuch, das als Basis für die weitere Kinder- und Jugendliteraturforschung und die Frauenbiografieforschung dienen soll auch einen breiten Überblick über den Anteil, den Frauen an der österreichischen Kinder- und Jugendliteraturszene haben und hatten.


Eder, Ulrike (Hrg.): Sprache erleben und lernen mit Kinder- und Jugendliteratur I.

Eder, Ulrike (Hrg.):
Sprache erleben und lernen mit Kinder- und Jugendliteratur I.
Theorien, Modelle und Perspektiven für den Deutsch als Zweitsprachenunterricht.
Wien: Praesens 2015 ( = Kinder- und Jugendliteratur im Sprachenunterricht 1)

Die Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit Kinder- und Jugendliteratur im Deutsch als Zweitsprachenunterricht werden bereits seit den 1980er Jahren immer wieder in den Blick genommen. Hierbei lag der deutliche Schwerpunkt der Auseinandersetzung allerdings lange bei der Erarbeitung und Darstellung konkreter Unterrichtsmaterialien. Der vorliegende Sammelband wird der inzwischen immer größeren Nachfrage nach einer lehr- und lerntheoretischen Einbettung und nach der empirischen Untersuchung solcher Didaktisierungen gerecht und zeigt einmal mehr das große Potenzial einer wissenschaftlich fundierten Auseinandersetzung mit Kinder- und Jugendliteratur für den Deutsch- und DaZ-Unterricht.

Weitere Informationen finden Sie hier.


Eder, Ulrike (Hrg.): Sprache erleben und lernen mit Kinder- und Jugendliteratur II.

Eder, Ulrike (Hrg.):Sprache erleben und lernen mit Kinder- und Jugendliteratur II.Theorien, Modelle und Perspektiven für den Deutsch als Fremdsprachenunterricht.Wien: Praesens 2015 ( = Kinder- und Jugendliteratur im Sprachenunterricht 2).

Der Sammelband geht auf die Sektion Kinder- und Jugendliteratur im DaF/DaZ-Unterricht zurück, die im Sommer 2013 im Rahmen der Internationalen Tagung für Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (IDT) in Bozen stattfand. Ausgewählte Beiträge aus dieser Sektion sind hier publiziert. Sie machen die internationale Bedeutung der Kinder- und Jugendliteratur im Zusammenhang mit dem Erlernen des Deutschen als Fremdsprache transparent. Entsprechend finden sich u.a. Artikel von Kolleginnen und Kollegen aus Bulgarien, Indonesien, Polen, Rumänien, Russland, der Türkei, Ungarn und den USA, die die Thematik aus ihrer jeweils spezifischen Perspektive beleuchten.

Weitere Informationen finden Sie hier.


Insa Fooken und Jana Mikota (Hrg.): Sollen wir Menschsein spielen?

Insa Fooken und Jana Mikota (Hrg.)
Sollen wir Menschsein spielen?
Eine kommentierte Anthologie
deutschsprachiger Puppentexte

Das Buch richtet sich sowohl an die literaturwissenschaftliche,
psychologische und pädagogische
Fachwelt wie auch an alle Interessierte, die
Lust auf das literarische Spiel mit Puppen haben.


Siegen: universi 2016

242 S., kart., 26,5 x 18,5 cm
ISBN: 978-3-936533-66-8
Preis: 27,50 Euro


Nähere Informationen zu diesem Buch können Sie dem Flyer entnehmen.


Friedrich C. Heller: Die bunte Welt

Friedrich C. Heller:
Die bunte Welt - Handbuch zum künstlerisch illustrierten Kinderbuch in Wien 1890-1938.
Wien: Brandstätter 2008.

Kinderbücher stellen einen wesentlichen Faktor der Kulturgeschichte dar, in ihnen spiegelten sich die Gesellschaft. Texte und Bilder der Kinderbücher lassen die Utopien und das Menschenbild einer Gesellschaft erkennen. Wien war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Hauptort einer künstlerisch bedeutungsvollen Kinderbuch-Produktion - ein Schatz an Buchkunst, den es zu entdecken gilt. Namhafte Künstler der Stilkunst (wie Kolo Moser, Heinrich Lefler, Bertold Löffler, C.O. Czeschka, F.K. Delavilla, Moritz Jung u.a.) und Institutionen wie die Wiener Werkstätte waren an der Gestaltung von Kinderbüchern maßgeblich beteiligt. Darüber hinaus aber gab es eine große Zahl außerordentlich talentierter Künstler, die Kinderbücher graphisch auffallend illustrierten und damit zur großen Qualität dieser Bücher und der angewandten Kunst in Wien beitrugen.

In diesem Handbuch wird erstmals die Entwicklung der Kinderbuch-Kunst in Wien in den größeren Rahmen der Kunstgeschichte und der Kulturgeschichte gestellt. Damit werden auch die Zusammenhänge mit den gesellschaftlichen und politischen Faktoren deutlich. Eine kommentierte Bibliographie aller relevanten Titel und vier Lexika (Illustratoren, Autoren, Verleger, Drucker) ergänzen die Darstellung.


Markus Janka / Michael Stierstorfer (Hrg.): Verjüngte Antike.

Markus Janka / Michael Stierstorfer (Hrg.):
Verjüngte Antike. Griechisch-römische Mythologie und Historien zeitgenössischen Kinder- und Jugendmedien
Heidelberg, Universitätsverlag Winter 2017 [= Studien zur europäischen Kinder- und Jugendliteratur, hg. v. Bettina Kümmerling-Meibauer, Anja Müller u. Astrid Surmatz; 5]

Mit einem Beitrag von Univ.-Doz. Dr. Ernst Seibert „Vom Fürstenspiegel zum Adoleszenzroman. Telemach als literarisches Motiv in der österreichischen Jugendliteratur“ (S.67-84).

In der Alltagskultur des neuen Millenniums ist eine multimediale Renaissance der Antike zu beobachten. Vor allem in der Kinder- und Jugendliteratur boomen Aktualisierungen von Einzelelementen wie Figuren, Gegenständen und Settings sowie Motiven aus der griechisch-römischen Mythologie und Historie. Der Sammelband definiert im Dialog der Fächer Forschungsfelder in diesem wissenschaftlichen Neuland. Für den deutschen Sprachraum hilft die hier vorgelegte Synthese einem Desiderat ab. Dabei fokussieren die 17 Beiträge Rezeptionsdokumente und Adaptionsweisen aus unterschiedlichen geschichtlichen, sprachlichen, kulturellen und medialen Kontexten. So treten Zugangsweisen der Klassischen Philologie und der altertumswissenschaftlichen Antikenrezeptionsforschung, der germanistischen und romanistischen Literaturwissenschaft, der Kinder- und Jugendliteraturforschung sowie der Literatur- und Mediendidaktik, der Medienwissenschaft mit dem Fokus „Populäre Kulturen“, Filmwissenschaft und Theologie in einen fruchtbaren methodischen Gedankenaustausch.

Das Buch ist über den Universitätsverlag Winter erhältlich.

Inhalt


Kriegleder, Wynfrid; Lexe, Heidi; Loidl, Sonja; Seibert, Ernst (Hg.): Jugendliteratur im Kontext von Jugendkultur

Kriegleder, Wynfrid; Lexe, Heidi; Loidl, Sonja; Seibert, Ernst (Hg.):Jugendliteratur im Kontext von JugendkulturWien, Praesens 2016 [= Wiener Vorlesungen zur Kinder- und Jugendliteratur, hg. v. Heidi Lexe u. Sonja Loidl; 1]

Längst hat die Jugendliteratur sich von einem zielgruppenspezifischen Angebot wegentwickelt und ist zu einem generationenübergreifenden Lektürephänomen geworden. Jugend und Jugendlichkeit werden dabei zum Darstellungsgegenstand ausdifferenzierter Erzählzusammenhänge, die wiederum eingebunden sind ein breites, populärkulturelles Medienangebot. Der Band, dem eine Ringvorlesung an der Universität Wien zu Grunde liegt, nimmt in interdisziplinären Beiträgen jene Wechselwirkungen in den Blick, die zwischen den jugendkulturellen Entwicklungen des 21. Jahrhunderts und der Vielfalt jugendliterarischer Genres (vom Adoleszenzroman bis zur Dystopie) zu beobachten sind. Untersucht werden transmediale Erzählverfahren ebenso wie die mediale Fortschreibung jugendliterarischer Texte – von der filmischen Adaption bis hin zur Fankultur im Netz. Jugendliteratur wird damit zu einem Spiegelbild (jugend-) kultureller Vielfalt – und meint damit auch die historische und mentalitätsgeschichtliche Dimension der Durchdringung jugendlicher Lebenswelten und literarischer Diskurse über Jugend.

Das Buch ist über den Praesens Verlag erhältlich.
Inhalt


Gunda Mairbäurl, Ernst Seibert (Hrg.): Kindheit zwischen West und Ost.

Gunda Mairbäurl, Ernst Seibert (Hrg.):
Kindheit zwischen West und Ost. Kinderliteratur zwischen Kalten Krieg und neuem Europa.
Bern: Peter Lang 2010.

Europa oder die Andersheit des Anderen.
Kinderliteratur als Baustein zu einem kosmopolitischen Europa.

Das Projekt Europa hat seine Faszination immer aus dem Gedanken der Friedensordnung, der Versöhnung der Feinde und damit der Anerkennung des Anderen bezogen. Im 19. Jahrhundert nahm es - als Reaktion auf die permanenten Kriege zwischen den europäischen Staaten - konkrete Gestalt an, zuerst als Vision, dann immer schneller auch als politisches Projekt. Es ist kein Zufall, dass der "Erfinder" der europäischen Einigung im modernen Sinne, Victor Hugo, ein politischer Schriftsteller war und seine Gedanken der Öffentlichkeit zuerst auf einem - Friedenskongress 1848 vortrug.

Das heutige Europa muss sich hauptsächlich an dieser Friedensidee messen lassen. Und trotz aller Probleme und Rückschläge - das vereinte Europa ist im Ganzen gesehen ein erfolgreiches Friedensprojekt. Es kann die Tatsache nicht hoch genug veranschlagt werden, dass die Versöhnung der historisch verfeindeten Nationalstaaten, vor allem Frankreich und Deutschland, gelungen ist. Das ist bereits ein Schritt in Richtung einer "kosmopolitischen Integration": ...

Das Buch ist über den Peter Lang Verlag bestellbar.


Gunda Mairbäurl, Susanne Blumesberger, Hans-Heino Ewers, Michael Rohrwasser (Hrsgg.): Kindheit, Kindheitsliteratur, Kinderliteratur. Studien zur Geschichte der österreichischen Literatur.

Gunda Mairbäurl, Susanne Blumesberger, Hans-Heino Ewers, Michael Rohrwasser (Hrg.):
Kindheit, Kindheitsliteratur, Kinderliteratur. Studien zur Geschichte der österreichischen Literatur. 
Festschrift für Ernst Seibert. Wien: Praesens Verlag 2010.

Beschreibung / Vorwort (Phaidra)

Ernst Seibert feiert am 6. Jänner 2011 seinen 65. Geburtstag - ein Anlass, in ihm einen Wissenschaftler zu ehren, der in der österreichischen Germanistik seit Jahrzehnten Pionierarbeit geleistet hat. Ernst Seibert hat sich seit vielen Jahrzehnten der Erforschung der historischen und der gegenwärtigen Kinder- und Jugendliteratur gewidmet. Trotz mannigfaltiger wissenschaftlicher Vorarbeiten aus unterschiedlichen Disziplinen udn trotz mancher univeristären Unterstützung, allen voran durch die beiden langjährigen Institutsvorstände des Wiener Germanistischen Instituts Wendelin Schmidt-Dengler und Alfred Ebenbauer, beide leider schon verstorben, gilt es nach wie vor ein traditionelles Verständnis für Literaturwissenschaft aufzubrechen und die Kinder- und Jugendliteratur als eines ihrer legitimen Gegenstandsbereiche zu etablieren. Der Kinder- und Jugendliteratur gebührt nicht nur eine Beachtung der Pädagogik und Didaktik; sie verdient auch eine literaturwissenschaftliche und literaturhistorische Erschließung, die allein deren engen Verflechtung mit der allgemeinliterarischen Entwicklung aufzeigen und ihr einen Platz im kulturellen Erbe eines Landes verschaffen kann. Beginnend mit seiner Dissertation von 1987 widmete Ernst Seibert sich den Themen Kindheit, Kindheitsliteratur und Kinderliteratur - daher auch der Titel dieser Festschrift. Seine literatur- und kulturwissenschaftlichen Studien belegen, dass die österreichische Kinder- und Jugendliteratur in den Erb- und Kronländern der Habsburgermonarchie und der Ersten und Zweiten Republik eine eigene Prägung erfahren hat, was es als gerechtfertigt erscheinen lässt, von einer eigenständigen 200 Jahren alten Geschichte zu sprechen.

 

Mit äußergewöhnlichem persönlichen Einsatz und mit bewundernswerter Beharrlichkeit hat er im Lauf der Jahre wissenschaftliche und kulturelle Netzwerke geschaffen - zwischen den universitären und außeruniversitären Institutionen in Österreich wie zwischen WissenschaftlicherInnen aus Österreich, Deutschland und den ehemaligen Ländern der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, also den Nachbarländern im Norden, Osten und Süden Österreichs. Die Gründung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung (ÖG-KJLF) vor mehr als 10 Jahren, die Schaffung der Publikationsorgane libri liberorum - einer Zeitschrift, die sich vom Mitteilungsblatt zur Fachzeitschrift der österreichischen Forschungsgesellschaft entwickelt hat - und der "Schriftenreihe zur österreichischen Kinder- und Jugendliteraturforschung" weisen ebenso wie seine Habilitationsschrift Kindheitsmuster in der österreichischen Gegenwartsliteratur (2005) und zahlreiche Publikationen und Aufsätze in einschlägigen (inter-)nationalen Fachbüchern und -zeitschriften auf die Breite seiner Tätigkeitsfelder hin.

Der Name Ernst Seibert könnte gleichsam als Synonym für die Kinder- und Jugendliteraturforschung in Österreich angesehen werden. Diese Gleichsetzung wäre naheliegend, Ernst Seibert würde ihr jedoch vehement widersprechen. Sie würde ihm nicht gerecht werden, weil er zum einen ein vielseitiger Mensch mit unzähligen Interessen ist und weil es ihm zum anderen nie um die eigene Person, sondern um den Gegenstand und dessen literaturwissenschaftliche Erforschung gegangen ist.  Sein Engagement galt und gilt der österreichischen Kinder-und Jugendliteratur, deren vollständige Erschließung weiterhin ein Desiderat darstellt. Nicht zuletzt setzt er sich für die Schafftung einer zentralen Forschungsstätte ein, die eine Sammelstelle für kinderliterarische Nachlässe, ein Archiv für Primär- und Sekundärliteratur, eine Anlaufstelle für SchriftstellerInnen und KünstlerInnen und ein Ort für Symposien und kulturelle Veranstaltungen sein könnte.

 

In diesem Band sind persönliche Wünsche und thematisch breit gestreute Beiträge zur Kinder- und Jugendlitertur von KünstlerInnen udn WissenschaftlerInnen enthalten, denen Ernst Seibert über das Kindebuch und die Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft zum Freund geworden ist. Wir danken dem Jubilar für sein unermüdliches Engagement, für seine Herzlichkeit, für seine Menschlichkeit und für seine ansteckende Freude am Gegenstand. Wir wünschen ihm viele Unternehmungen auf dem Gebiet der österreichischen Kinder-und Jugendliteraturforschung.


Ernst Seibert, Georg Huemer, Lisa Noggler (Hrg.): Ich bin ich

Ernst Seibert, Georg Huemer, Lisa Noggler (Hrg.):
Ich bin ich
Mira Lobe und Susi Weigel.
Wien: Residenz Verlag 2014 (= 399. Sonderausstellung des Wien Museums vom 6. November 2014 bis 1. März 2015).

Mira Lobe steht seit Jahrzehnten für ansprechende Kinder- und Jugendliteratur. In ihren optimistischen Büchern sind es nicht nur die Erwachsenen, die über das Gemeinwohl bestimmen, auch die Kinder reden mit, für deren Bedürfnisse die Autorin stets ein offenes Ohr hatte.

Gemeinsam mit Susi Weigel hat sie Bilderbuchklassiker wie „Das kleine Ich bin ich“ geschaffen, die immer noch von mehreren Generationen (vor)gelesen werden. Die zwei Frauen bilden bis heute das bekannteste Duo der jüngeren Kinder- und Jugendliteraturgeschichte, die auf mannigfaltige Weise von den beiden geprägt wurde. Die hier versammelten Beiträge reflektieren das Lebenswerk der beiden Künstlerinnen aus unterschiedlichen Perspektiven.


Ernst Seibert / Kateřina Kovačková (Hrg.): Otfried Preußler

Ernst Seibert / Kateřina Kovačková (Hrg.):
Otfried Preußler - Werk und Wirkung. Von einer Poetik des Kleinen zum multimedialen Großprojekt.
Frankfurt am Main: Peter Lang 2013.
(= Kinder- und Jugendkultur, -literatur und -medien. Theorie - Geschichte - Didaktik hrsg. von Hans-Heino Ewers, Ute Dettmar und Gabriele von Glasenapp; Band 86).

Bestellung

Mit den elf Beiträgen zu Otfried Preußler, die auf eine Tagung mit deutscher, österreichischer und tschechischer Beteiligung zurück gehen, werden seine Werke in neue interpretatorische Zusammenhänge gestellt. Eingeleitet durch ein Autoren-Portrait, das das Schaffen Preußlers im Rahmen der weitgefächerten Diskussion um den Begriff Mitteleuropa erörtert, werden biographische, historische, motivgeschichtliche und mediale Aspekte behandelt. Es zeigt sich bei diesem Autor so anschaulich wie bei kaum einem anderen, dass er volksliterarische Motive frei und kunstvoll literarisch umzuwandeln versteht, dass sie eine Allgemeingültigkeit erlangen, die über Länder, Nationen und Kontinente hinweg verstanden und nicht nur vom kindlichen Lesepublikum überall auf der Welt dankbar angenommen wird.


Ernst Seibert: Kindheitsmuster

Ernst Seibert: Kindheitsmuster in der österreichischen Gegenwartsliteratur. 
Zur Genealogie von Kindheit. Ein mentalitätsgeschichtlicher Diskurs im Umfeld von Kindheits- und Kinderliteratur

Frankfurt am Main, Peter Lang Verlag, 2005
Reihe: Kinder- und Jugendkultur, -literatur und -medien, Bd. 38

Mit dem Begriff Kindheitsliteratur wird das Zusammentreffen zweier synchroner Phänomene erörtert, die besonders in der neueren österreichischen Gegenwartsliteratur vermehrt anzutreffen sind: zum einen die Thematisierung von Kindheit und zum anderen die Adressierung literarischer Texte an eine kindliche Leserschaft auch von Autorinnen und Autoren, die an sich nicht zur Kinderliteratur gezahlt werden. Unter diesem Aspekt erscheint es angebracht, die von der allgemeinen Literatur üblicherweise als Subsystem abgetrennte Kinderliteratur als Teil der Kindheitsliteratur zu verstehen und damit gleichzeitig literarische Wertung und pädagogisches Urteil zu entflechten. Dieses Ziel wird in mehreren analytischen Diskursen und in Interpretationen einschlägiger Werke verfolgt.

Das Buch ist über den Peter Lang Verlag erhältlich.


Ernst Seibert: Themen, Stoffe und Motive in der Literatur für Kinder und Jugendliche.

Ernst Seibert:
Themen, Stoffe und Motive in der Literatur für Kinder und Jugendliche.
Wien: Facultas 2008.

Bestellung

Vorwort

Das "Jahrhundert des Kindes" ist vorbei. Es stellt sich die Frage, wie die Vision der schwedischen Pädagogin und Schriftstellerin Ellen Key aus dem Jahr 1900 (dt. 1902) rückblickend zu beurteilen ist und wie sich die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen im Allgemeinen und insbesondere ihre literarische Sozialisation aus heutiger Sicht präsentiert. Wie immer im Kontext modernisierungstheoretischer Fragen gilt es einerseits, das tatsächlich Neue vom unkritisch Tradierten zu unterscheiden, andrerseits aber auch, das zeitlos Gleihbleibende in seiner Gültigkeit im Auge zu behalten.

Eines der grundlegenden Merkmale in der Entwicklung ästhetischer Erfahrungen auch und nicht zuletzt in frühen Lebensabschnitten ist das Bedürfnis, ein Werk - sei es Literatur, Musik oder bildende Kunst - in allen Details zu erkennen und in einer erneuten Begegnung anhnad dieser spezifischen Details wiederzuerkennen. Vor allem in den so genannten reproduzierenden Künsten - im Schauspiel, in der Musik - entsteht die Spannung beim Befassen mit einem Kunstwerk dadruch, dass das bereits Bekannte in der interpretierenden Wiedergabe wiederentdeckt, gleichzeitig aber auch in einer neuen Deutung wahrgenommen wird.

Wir kennen jenes urkindliche Bedürfnis, ein einmal erzählt bekommenes Märchen immer wieder hören zu wollen, und zwar im selben Wortlaut wie beim ersten Mal - gegen kleinste Abweichungen erfolgt meist unwilliges Auflehnen.

Eine Variante dieses "Genauso-Wieder" ist das Déjà-vu-Erlebnis des Erwachsenen, wenn er nach vielen Jahren ein Bilderbuch aus frühesten Kindertagen in der Hand hält. Unter dem Eindruck dieses Phänomens, das manche gar zu passionierten Kinderbuchsammlern werden lässt, drängt sich die Vermutung auf, dass dieses kindliche Bedürfnis nach dem Wiedererstehen des Gleichen dem Bedrüfnis eines kunstinteressierten Erwachsenen im Wesentlichen ähnelt.

Kinderliteratur ist in dieser bestimmten und bestimmenden Weise die erste Literatur, an der alle folgende gemessen wird. Schon allein deshalb erscheint es unangemessen, den gängigen Begriff "Kinder- und Jugendliteratur" pauschal zu reproduzieren; es soll in der Folge nun gezielt bzw. differenziert verwendet werden. Bereits als ein erstes Merkmal der Unterscheidung zwischen Kinder- (einerseits) und Jugendliteratur (andrerseits) sollen die sprachliche Präzision und ihre Wiederholbarkeit genannt werden, die besonders der Kinderlyrik eigen sind. Das Horazische prodesse et delectare - oder auch Sammlung und Zerstreuung, die Konzentration auf das Einzelne, Unverwechselbare der bildlichen und sprachlichen Repräsentation der außersprachlichen Wirklichkeit und gleichzeitig die Ablenkung von ihr sind bereits in dieser ersten Literatur vorhanden.

Wenn mit bewusster Betonung der Konjunktion von Kinder- und Jugendliteratur die Rede ist, so in dem Sinne, dass Kinder, wie sie uns heute in einer globalisierten und gleichzeitig infantilisierten Welt begegenen, durchaus schon jugendliche und Jugendliche nicht selten noch kindliche Attitüden an den Tag legen, dass also die herkömmlichen Altersgrenzen in Frage zu stellen sind. Insofern erscheint es in Bezug auf dieses Genre nicht sinnvoll, zwischen E (Ernst) und U (Unterhaltung) wertend zu unterscheiden. Was der den Heranwachsenden zugedachten Literatur hinsichtlich ihrer Literaizität wohl am abträglichsten ist, ist die pädagogisch-rationale Funktionalisierung, ihre Bestimmung als Mittel zum Zweck.

Schließlich erscheint es problematisch, die den Heranwachsenden zugedachte Literatur als Subsystem eines allgemeinen Literatursystems anzusehen. Vielmehr stellt sich die Aufgabe, Literatur nicht als eine für Heranwachsende, sondern als die der Heranwachsenden zu verstehen und damit als Genre, das wie jedes andere im Kontext der Literatur für sich einen implizit und explizit literarischen Diskurs entwickelt und diesen im Sinne genrespezifischer Kriterien immer wieder neu erfindet und definiert. Wenn in der Folge die systemtheoretische Terminologie fallweise dennoch in Anspruch genommen wird, dann weniger in der Absicht ihrer Unterstützung, sondern mit dem Ziel einer Aufhebung der Grenzen zwischen allgemeiner Literatur und der Literatur für Heranwachsende. Trotz und mit der Präposition "für" soll diese Literatur als ein Genre betrachtet werden, das der allgemeinen Literatur nicht nur zunehmend näher steht, sondern dort, wo sie Literarizität aufweist, in die allgemeine Literatur einfließt bzw. in sie übergeht. Im Gegensatz zu früheren Auffassungen, denen zufolge die Literatur für Heranwachsenden die Aufgabe hatte, eine Vorstufe für die allgemeine Literatur zu bilden, ist sie heute als Genre zu sehen. Die Sichtweise soll dazu beitragen, Kinder und Jugendliche jeweils in ihrer Zeit - und vor allem heute - besser zu verstehen, bzw. soll sie dem Verständnis zwischen den Generationen förderlich sein.

Wenn die Literaturwissenschaft immer noch ein Elfenbeinturm sein sollte, dann ist die Befassung mit den Literatursparten der Heranwachsenden eine von vielen Möglichkeiten, aus der Abgeschlossenheit des Turmes einen Ausweg zu finden. In diesem Sinne ist der Blickwechsel zwischen Literatur und außerliterarischer Wirklichkeit von entscheidender Bedeutung, liegt doch hierin der Anspruch, sich in angewandter Rezeptionsästhetik mit dem Verhältnis zwischen Literaturschaffenden und Lesenden sowie mit dem Lesen als Verstehensprozess zu befassen, der die Generationen nicht trennt, sondern zu einer gegenseitigen differenzierteren Wahrnehmung beiträgt.


Hannes Stekl, Christa Hämmerle, Ernst Bruckmüller (Hrg.): Kindheit und Schule im Ersten Weltkrieg.

Hannes Stekl, Christa Hämmerle, Ernst Bruckmüller (Hrg.):
Kindheit und Schule im Ersten Weltkrieg.
Wien: new academic press 2015 (= Austriaca - Schriftenreihe des Instituts für Österreichkunde).

Mit einem Beitrag von Ernst Seibert: "Der Erste Weltkrieg in der Kinder- und Jugendliteratur. Kriegsertüchtigung als Ende der Tugendlehre?"

Der Band behandelt einen wenig beachteten Themenbereich einer Alltags- und Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs. Nach einleitenden Informationen über das Leben an der „Heimatfront“ konzentrieren sich die einzelnen Beiträge auf das Leben von Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus. Sie berichten über Geborgenheit und Sicherheit ebenso wie über Hunger und Mangel sowie den Beitrag von Kindern zur Sicherung des Überlebens von Familien, nicht selten an der Grenze zu Kriminalität, aber auch über ihre Freuden und Spiele. Besonderes Augenmerk gilt dem staatlichen Versuch, eine „Schulfront“ aufzubauen. Dabei trat nicht nur der Unterricht in den Dienst von Propaganda und Patriotismus, wie die zahlreichen Anordnungen der Schulbehörden zeigen. Die Schülerinnen und Schüler wurden in geschlechtsspezifischer Form (von „Liebesgaben“ bis zu Sammelaktionen) auch selbst in den Dienst des „Großen Krieges“ gestellt ¬ – in der Hoffnung, ihre Familien zu erhöhter Opferbereitschaft zu motivieren und eine neue Generation angepasster StaatsbürgerInnen heranzubilden.

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